| Online Stats |
Gäste Online: 2 Mitglieder Online: Keine Mitglieder Online
Registrierte Mitglieder: 1 Neustes Mitglied: spunk
| Besucher Heute: | 8 | | Besucher Online: | 2 | | Besucher Gestern: | 39 | | Besucher Monat: | 1142 | | Besucher Gesamt: | 6524 |
|
| Besucherinfo |
IP: 38.107.191.107 Host: 38.107.191.107
Browser: CCBot/1.0 (+...
|
|
| Apple und die Chance des iPad |
Den will ich haben! Das sagen sich immer mehr Menschen, die noch vor zehn Jahren nicht im Traum daran gedacht hätten, einmal ein Produkt der Marke Apple zu besitzen. Inzwischen aber wurde der eine vielleicht vom digitalen Musikspieler iPod gelockt. Die andere hat das Mobiltelefon iPhone angezogen. Und davor soll es auch schon Menschen gegeben haben, die sich nach dem ersten Blick auf einen Laptop mit einer bei Dunkelheit beleuchteten Tastatur für Apple begeistert haben.
So etwas ist zum Beispiel in Stieg Larssons Bestseller "Verblendung" nachzulesen. In zwei Monaten wird man Larssons Romane, die mit Apple-Werbung vollgepackt sind, auch auf dem soeben neu vorgestellten Tablet-Computer des Hauses lesen können, dem iPad. Seit der Online-Buchhändler Amazon sein Gerät zur Darstellung elektronischer Bücher mit dem Namen Kindle auf den Markt gebracht hat, wissen wir, dass dahinter ein Geschäftsmodell stecken kann.
Über das iPad wäre in dieser Woche aber nicht so viel berichtet worden, wenn es nicht noch um eine ganz andere Frage ginge: Wird das iPad auch das Informationsverhalten der Generation derjenigen verändern, die derzeit unter dreißig Jahre alt sind, also von denjenigen, die sich schon lange nicht mehr auf den traditionellen Wegen über das Weltgeschehen auf dem Laufenden halten? Darüber ist unmittelbar nach der Präsentation des Geräts durch den Unternehmensmitbegründer und Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs eine heftige Debatte entbrannt.
Es muss besser sein als Laptops und Smartphones
Fest steht bisher nur, dass Jobs mal wieder eine große Show geliefert hat. Damit kennt man nun die technischen Details des Geräts. Aber viele Fragen bleiben, nicht nur für die Verlage. Und es kann munter weiterspekuliert werden. Wird das iPad zu seinem Verkaufsbeginn in zwei Monaten für eine ähnliche Hysterie sorgen wie im Jahr 2007 das Multimediahandy iPhone, das Menschenmassen in die Apple-Läden lockte? Kann das iPad zu einer ähnlich starken Säule für Apple werden wie das iPhone, das mittlerweile mehr als ein Drittel zum Konzernumsatz beisteuert?
Jobs hat jedenfalls - wie üblich - dick aufgetragen und das iPad als "magisches und revolutionäres Produkt" angekündigt. Aber er hat auch zugegeben, dass die Messlatte sehr hoch liegt: Jobs will das iPad als "dritte Kategorie" von tragbaren Computern positionieren, in der Mitte zwischen Laptops und Smartphones wie dem iPhone. Damit das iPad aber überhaupt eine Daseinsberechtigung habe, müsse es in vielen Dingen besser sein als Laptops und Smartphones, sagte Jobs: für die Internetnutzung, das Ansehen von Videoinhalten, das Lesen digitaler Bücher oder für Videospiele. Freilich pries Jobs das iPad als genau einen solchen überlegenen Alleskönner an. Jenseits dessen habe es indes "keine Daseinsberechtigung". Auch das räumt Jobs ein. Immerhin.
Tatsächlich nimmt sich der Apple-Chef viel vor, wenn er eine Revolution mit einem Produkt verspricht, das als eine Mischform bestehender Kategorien definiert ist. Das Publikum in San Francisco hing Jobs zwar während seiner Präsentation wie gewohnt an den Lippen, aber hinterher machte sich doch etwas Ernüchterung breit. Schnell mäkelten einige, das iPad komme im Prinzip nicht anders daher als die Großversion eines iPhone. Die von Jobs beschriebene Überlegenheit des iPad gegenüber allem bisher Dagewesenen wurde bezweifelt. Kritiker meinten, es werde nicht leicht sein, die Verbraucher zu überzeugen, dass sie noch eine dritte Art von Gerät brauchen, zumal das iPad mit einem Preis zwischen 499 und 829 Dollar je nach Version nicht billig ist. Die deutschen Preise stehen noch nicht fest.
Eher Konsumieren denn Kreieren
Andererseits kann nach der Demonstration von Jobs niemand bestreiten, dass das iPad viel kann. Der große berührungsempfindliche Bildschirm (Touchscreen) erlaubt ein ganz anderes Erlebnis bei der Internetnutzung als das iPhone, und die Eingabe über die virtuelle Tastatur ist komfortabler. Künftige iPad-Besitzer müssen aber auch auf einige Dinge verzichten: Das Gerät hat keine eingebaute Kamera, es kann nicht mit der weitverbreiteten Videosoftware Flash arbeiten, was auf vielen Internetseiten klaffende Lücken entstehen lässt, und es erlaubt nicht das gleichzeitige Ausführen von Programmen nebeneinander. Der Nutzen des iPad dürfte grundsätzlich eher im Konsumieren von Inhalten liegen, nicht so sehr im Kreieren.
Produkte wie der iPod oder das iPhone sind auch deshalb so populär, weil Apple ein ganzes "Ökosystem" um sie herum gebaut hat: Der zum iPod gehörende Online-Dienst iTunes bedeutete den Durchbruch für die Vermarktung digitaler Musik, und Apple hat sich hier eine marktbeherrschende Position aufgebaut. Das iPhone wiederum hat einen gewaltigen Schub durch den von Apple ins Leben gerufenen "App Store" (aus dem Englischen "application" für "Anwendung") bekommen, in dem teils nützliche, teils der Unterhaltung dienende Software verkauft oder kostenlos abgegeben wird.
Der Clou aus der Sicht von Apple: Mit dem App Store reichert das Unternehmen sein iPhone um Funktionen an, ohne selbst viel dafür tun zu müssen. Die Programme kommen von unabhängigen Entwicklern, denen Apple nun einen Teil der Verkaufserlöse gibt. Für das Unternehmen also eine perfekte Einnahmequelle mit minimalen Kosten, die zudem die Attraktivität der eigenen Produkte erheblich erhöht. Diese Zusatzsoftware gilt mittlerweile als wichtiges Erfolgskriterium in der Handybranche, und Apple hat mit einem Angebot von 140000 Programmen einen riesigen Vorsprung vor Wettbewerbern.
Eine Chance für die Verlage, nicht die Lösung
Was genau die bahnbrechenden Elemente des iPad sein könnten, liegt trotz allem noch nicht auf der Hand, und vielleicht kann es sich erst zeigen, wenn das Gerät auf den Markt kommt. Auch wenn das Produkt nicht auf einhelligen Jubel gestoßen ist und der Aktienkurs verhalten bis negativ reagiert hat, meinen doch die meisten Analysten an der New Yorker Wall Street, dass es sich gut verkaufen wird. Manche sagen einen Absatz von 3 Millionen iPads im ersten Jahr voraus, andere halten 6 Millionen für möglich. Bis das iPad freilich in die Dimensionen von iPod und iPhone vorstößt, würde es nach diesen Prognosen noch einige Zeit dauern: Denn Apple hat bis heute mehr als 42 Millionen iPhones und mehr als 250 Millionen iPods verkauft.
Auf der Basis dieser Zahlen lässt sich auch nicht bestreiten, dass Apple für den Verkauf von Musik über das Internet sich und der Musikindustrie ein neues Geschäftsmodell geschaffen hat. Und den Verkauf von Büchern hat Apple zwar nicht erfunden, aber mit dem iPad nun am schönsten verpackt. So empfiehlt sich das iPad als digitales Lesegerät und ernsthafte Bedrohung für spezialisierte E-Reader wie ebenden Kindle. Jobs hat bei der Veranstaltung einen Online-Dienst zum Verkauf digitaler Bücher aus dem Hut gezaubert, in der Art der Musik- und Videoplattform iTunes. Aber eine Antwort darauf, inwiefern das iPad jenseits von Büchern auch zu einer Vertriebsplattform für andere Medieninhalte werden kann und somit zu einer neuen Einnahmequelle etwa für Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehsendungen, hat Jobs nicht gegeben. Das müssen sich die Verlage nun selbst überlegen. Der gezeigte Prototyp einer iPad-Version der "New York Times" lässt ahnen, dass Zeitungen neue Möglichkeiten für ihren digitalen Auftritt haben könnten.
Tatsächlich muss es den Verlagen jetzt gelingen, Software für das iPad programmieren zu lassen, die das digitale Lesen dort wieder zu einem dem Medium angemessenen Erlebnis macht: Zu einer haptischen und visuellen Attraktion, die die gedruckte Ausgabe für ihre traditionellen Anhänger längst ist, zu einem Produkt, das über die Kostenloskultur der normalen Nachrichtenseite des jeweiligen Medienhauses im Internet hinausgeht. Wer die Blogs und sonstigen Bemerkungen der tatsächlichen und selbsternannten Medienfachleute in den Tagen nach der Vorstellung des iPad gelesen hat, stellt fest: Jobs und Apple bieten dafür eine Chance, mehr nicht. Dass es eine solche Chance gibt, ist hingegen erfreulich. Denn die Generation der Menschen unter dreißig Jahren entwickelt sich für die Verlage zum Problemfall.
Weg vom schnellen Ex und Hopp
Das hat schon vor einiger Zeit das Institut für Demoskopie Allensbach erforscht: Weder die Tageszeitung, noch das Fernsehen und noch nicht einmal das Internet werden in der Altersklasse bis dreißig Jahre für die tägliche Information genutzt. "Trotz einer Reichweite von 86 Prozent spielt das Internet als Informationsquelle für das aktuelle Geschehen in der jungen Generation nur eine geringe Rolle. Stichtagsbefragungen belegen, dass im Durchschnitt nur 15 Prozent dieser Altersklasse sich mit Hilfe des Internets über das aktuelle Geschehen informieren", hat Renate Köcher von Allensbach dazu festgestellt. Man informiert sich dann, wenn man etwas Bestimmtes wissen will. Der auf Knopfdruck jederzeit verfügbare, schier unerschöpfliche Informationsbestand des Internets lässt die kontinuierliche Information überflüssig erscheinen.
Das iPad von Apple allein wird hierzu gewiss keine gegenläufige Entwicklung anstoßen können. Aber das Gerät könnte es attraktiv machen, digitale Zeitungen und Magazine zu entwickeln, die die besten Eigenschaften aus gedrucktem Heft und Internet miteinander verbinden. Bilder und Texte könnten auf eine neue Art miteinander verschmelzen, Grafiken, Videos und auch Werbung auf eine neue Weise interessant werden. Der Nachrichtenkonsum könnte auch in dieser Altersgruppe weg vom schnellen "Ex und hopp" zurück auf die gemütliche Lektüre auf dem Sofa geführt werden.
Es ist ein Traum, der Traum von einer Art iTunes für Nachrichten, den derzeit Journalisten und Verlage träumen. Doch bisher hat Jobs dafür nur die Plattform vorgestellt, nicht mehr und nicht weniger.
Quelle: F.A.Z. |
| Kommentare |
|
Dieser Beitrag wurde noch nicht kommentiert.
|
| Kommentar hinzufügen |
|
Nur Mitgliedern ist das Kommentieren gestattet.
|
| Bewertungen |
|
Nur Mitglieder können Bewertungen abgeben.
Bitte einloggen oder registrieren.
Keine Bewertungen abgegeben.
|
|