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Speicherplatz Online
NetzwerkSeit gut 30 Jahren arbeiten wir nun mit „Personal Computern“, aber selten hat uns ein Problem so lange beschäftigt wie dieses: Für unsere Texte suchten wir eine Möglichkeit der externen Sicherung jenseits der eingebauten Festplatte oder eines USB-Sticks. Die Dokumente sollten irgendwo draußen in der Ferne sicher abgelegt sein, so dass eine Kopie vorhanden ist, wenn das letzte Stündlein der Festplatte geschlagen hat oder das Equipment nach Heimsuchungen wie Einbruch oder Brand verschwunden ist. Auf die Texte wollten wir möglichst jederzeit zugreifen können, zumindest aber im Büro und zu Hause. Um die Anforderungen ein wenig auf die Spitze zu treiben, stand ferner die reibungslose Zusammenarbeit mit Microsoft Word auf dem Mac und unter Windows im Pflichtenheft. Das externe Medium sollte sich also wie ein Laufwerk in den Finder des Mac und in das Windows-Dateisystem einklinken und die üblichen Dateifunktionen wie eine Sortierung nach Name, Größe oder Änderungsdatum bieten. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir suchten eine Art virtuellen USB-Stick im Internet, eine Softwarelösung ohne Hardware.

Ginge es allein um verschiedene Windows-Rechner, wäre die Lösung einfach: Sowohl XP wie auch Vista und Windows 7 bieten eine gelungene FTP-Integration. Mit dem „File Transfer Protocol“ kann man kommod und mit allen Schikanen auf Laufwerke im Netz zugreifen, sie lassen sich wie ein USB-Stick in den Dateimanager einbinden, und FTP ist hinreichend schnell. Nur wird FTP von Apples Betriebssystem Mac OS X leider nur lesend unterstützt, nicht aber im Schreibzugriff und ebenfalls nicht mit einer nahtlosen Einbindung in Anwendungsprogramme wie Word. Unentgeltliche Tools wie „Cyberduck“ liefern zwar die fehlenden FTP-Fähigkeiten nach, aber das manuelle „Heraufkopieren“ geänderter Dateien zum Server bleibt einem nicht erspart. Das alles war uns zu kompliziert.


Unter OS X sind einige Verrenkungen erforderlich

Mit dem Kommunikationsprotokoll SMB, das für „Server Message Block“ steht, kommen sowohl Windows wie auch Mac OS X bestens zurecht. Mit SMB kann man zumindest einen USB-Stick oder eine Festplatte an dem W-Lan-Router Fritzbox von Hersteller AVM als häuslichen Zentralspeicher einsetzen. Reicht im Windows-Explorer die Eingabe von \fritz.box aus, sind unter OS X einige Verrenkungen erforderlich: Im Finder wähle man „Gehe zu“ und „mit Server verbinden“. Als Adresse ist „smb://192.168. 178.1“ einzugeben, wobei die Zahlenkombination die IP-Adresse der Fritzbox ist. Um aus Anwendungsprogrammen heraus direkt auf dem an der Fritzbox hängenden Medium zu sichern, muss man in den Systemeinstellungen unter „Sharing“ und „File Sharing“ den Menüeintrag „Dateien und Ordner über SMB bereitstellen“ aktivieren. Das alles funktionierte prima - aber wir suchten ja eine außerhäusige Lösung.

Der nächste Anlauf war WebDAV, die Abkürzung steht für Web-based Distributed Authoring and Versioning und ist eine Erweiterung des Http-Protokolls. Es ist sicherer als FTP und fristet leider ein Schattendasein. Das Mediencenter von T-Online und ein GMX-Anschluss arbeiten beispielsweise damit, ein Speicherplatz von 1 Gigabyte wird hier jeweils gratis bereitgestellt, kostenpflichtig lässt sich mehr Volumen buchen. Interessant bei T-Online ist, dass man auf die Inhalte auch mit einem Smartphone zugreifen kann. Beide Systeme arbeiteten mit Windows und OS X prima zusammen. Das K.o.-Kriterium im praktischen Einsatz waren allerdings die unerträglich langen Wartezeiten an unserem ohnehin langsamen DSL-Anschluss zu Hause. Jedes Zwischenspeichern in Word wurde zur Geduldsprobe. Aus dem gleichen Grund schied auch Apples Mobile Me aus, das für 80 Euro im Jahr einen 20-Gigabyte-Speicher mitbringt, der sich praktischerweise auch vom iPhone ansprechen lässt. Zusatzdienste rund um E-Mail, Kalender und Kontaktverwaltung gehören ebenfalls dazu.


Am Ende unserer langen Suche landeten wir bei Dropbox

Viel freien Speicherplatz im Internet bieten einige E-Mail-Anbieter. Bei einem Googlemail-Konto erhält man mehr als 7 Gigabyte, Microsoft spendiert für Skydrive sogar bis zu 25 Gigabyte. Mit hilfreichen Zusatzprogrammen lässt sich der Google-Speicher als Online-Festplatte nutzen, beispielsweise durch Gmail Drive oder die Firefox-Erweiterung Gspace. Mitte Januar hat Google angekündigt, dass man demnächst Dateien aller Art auf einen Googlemail-Anschluss hochladen kann. Für Windows, Skydrive und Googlemail ist der Cloud Desktop von Gladinet empfehlenswert, allerdings fehlt hier eine Mac-Version.

Am Ende unserer langen Suche landeten wir bei Dropbox, einem amerikanischen Anbieter, der seit zwei Jahren auf dem Markt ist und mittlerweile mehr als zwei Millionen registrierte Kunden hat. Auf dropbox.com kann man unentgeltlich die zugehörige Software laden, sie läuft unter Windows, Mac OS X und Linux, und es gibt sogar eine passende iPhone-Applikation. Die Dropbox ist schnell installiert, sie fügt sich reibungslos in Windows oder den Finder von OS X ein, und zur Registrierung muss man nur eine E-Mail-Adresse sowie ein Kennwort eingeben. Zwei Gigabyte-Speicher werden gratis bereitgestellt, 50 Gigabyte kosten 10 Dollar im Monat, 100 Gigabyte sind für 20 Dollar zu haben.


Mit einem 256-Bit-Schlüssel kodiert

Nach der Anmeldung kann man unter Windows ein Dropbox-Verzeichnis („My Dropbox“) dort anlegen, wo es gerade passt. Alles, was in diesem Ordner landet, wird automatisch auf den Server des Anbieters hochgeschaufelt, die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt nach dem SSL-Standard, den auch Banken einsetzen, und alle Dateien in der „Cloud“ werden nach AES mit einem 256-Bit-Schlüssel kodiert. Dropbox verwendet das Amazon-S3-System, also ausgelagerten Speicher für Unternehmen. Angestellte von Dropbox haben keinen Zugriff auf Nutzerdaten, heißt es auf der Internetseite. Bei all diesen Beteuerungen sollte man jedoch den gesunden Menschenverstand nicht ausschalten: Höchst private Daten gehören nicht in die „Wolke“ des Internets. Jim Harper von der „Technology Liberation Front“ moniert bei Dropbox, dass die hier zitierten Angaben nur auf der Homepage von Dropbox zu finden seien, nicht aber in den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Ferner beklagt er, dass Änderungen der „Privacy Policy“ den Dropbox-Nutzern nicht persönlich, sondern nur auf der Internetseite mitgeteilt werden würden.

Was uns ungeachtet dieser Bedenken gefallen hat, ist die reibungslose, zuverlässige und schnelle Arbeitsweise dieser Software. Sie läuft diskret im Hintergrund, stört nicht mit aufploppenden Fenstern oder Reklame, und nötigenfalls kann man mit jedem Web-Browser auf seine Dateien zugreifen. Techcrunch-Chefredakteur Michael Arrington hat die Dropbox in seine jährlich neu aufgelegte Liste der „Produkte, die ich mag und jeden Tag nutze“ aufgenommen, und wir arbeiten ebenfalls täglich damit: Der USB-Stick, der häufig im Büro oder zu Hause vergessen wurde, hat ausgedient. Unterwegs lässt sich über das Web-Interface auf sämtliche Daten zugreifen, die Software muss dazu nicht installiert sein. Auf der Internetseite werden weitere Komfortfunktionen angeboten, man sieht etwa eine Historie der vergangenen Ereignisse.


Empfänger muss kein Dropbox-Kunde sein

Dropbox speichert zudem Kopien älterer Versionen einer Datei, versehentlich gelöschte Dokumente lassen sich noch zurückholen. Ferner hat die Software eine pfiffige Automatik zur Bandbreitenregulierung während des Uploads eingebaut: Selbst beim Hochladen von üppigen Powerpoint-Präsentationen am langsamen DSL-Anschluss ist der PC nicht lahmgelegt. Fährt man den Rechner während eines Uploads herunter, wird die Synchronisation mit dem Laufwerk im Netz beim nächsten Start wiederaufgenommen. Während der Einrichtung des Austausch-Ordners legt Dropbox ein „Public“-Verzeichnis an. Was darin abgelegt wird, können andere sehen, wenn man ihnen einen zugehörigen WWW-Link schickt, der Empfänger muss kein Dropbox-Kunde sein. Jeder kann auf diese Dateien zugreifen, wenn er den Link hat, es gibt keinen Kennwortschutz.

Einzelne Unterordner lassen sich ebenfalls für andere freigeben. Hier muss allerdings der Adressat ein Dropbox-Konto haben. Ist auf seinem PC ebenfalls die Dropbox-Software aktiv, wird der Unterordner automatisch dem Dropbox-Verzeichnis des Empfängers hinzugefügt. Auf diese Weise bekommt man also ein höchst komfortables Arbeitsverzeichnis für geschlossene Benutzergruppen, und zu den besonders feinen Details gehört, dass sich Nachrichten über Änderungen in einem solchen Austauschordner sogar als RSS-Feed abonnieren lassen. Auf dem iPhone lassen sich mit der passenden App alle Office-Dateien ansehen und per E-Mail versenden (aber nicht bearbeiten). Alles in allem ist das Gebotene überragend, eine pfiffige Idee wurde klug umgesetzt. So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das junge Unternehmen von einem Großen der Branche aufgekauft wird.


Quelle: F.A.Z.
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